Igel-Stäubling
Lycoperdon echinatum - kugelig und stachelig
Wenn wir als Kinder durch die Wälder und über die Wiesen gestapft sind, immer auf der Suche nach irgendwelchen Abenteuern, da fanden wir ab und an kleine runde Kugeln auf dem Erdboden liegen, die aus dem Boden gewachsen waren. Es dauerte nicht lange und wir wollten herausfinden, was sich denn in diesen Kugeln verbarg. Dazu mussten wir eine öffnen. Der beste Weg, dies zu tun: Drauf treten und sehen, was passiert. Sie könnte ja platzen, so wie eine kleine Knallerbse, dann hätten wir unser heidnisches Vergnügen! Also traten wir erst mal vorsichtig auf eine drauf.
Es gab keine Explosion, aber dennoch war plötzlich die ganze Kugel in einen dunklen Staub eingehüllt, der aus ihr entstieg. Das machte Spaß und sofort machten wir uns auf die Suche nach weiteren Kugeln, um sie zu zertreten. Hüpfend und lachend „bestäubten“ wir die Böden, (noch) nicht wissend, dass es Pilze waren, die wir da zertraten, und was das für ein Staub war, den wir da „erzeugten“.
Igel-Stäubling, aus einer Broschüre zur Pilzbestimmung
Von einer dieser Kugeln möchte ich ein wenig erzählen. Es ist der Igel-Stäubling, ein Pilz aus der Familie der Stäublingsartigen, im Fachjargon Lycoperdaceae genannt. Unartig wie wir waren, zerstäubten wir damals diese Stäublingsartigen. Woher diese Pilzart ihren Namen erhielt, liegt also auf der Hand, auch wenn wir diese Geschöpfe als Kinder „Puffbälle“ nannten, weil sie so schön pufften. Damals wussten wir allerdings noch nicht, dass die Engländer diesen Pilz ebenfalls „Puffball“ (spiny puffball) nennen.
Unser Pilz, von dem ich hier erzähle, enthält aber auch einen Namensvorsatz, der auf eine seiner Eigenschaften hinweist. Er pufft nicht nur, sondern er sieht auch aus wie ein Igel, der sich bei Gefahr zusammenrollt und seine Stacheln in alle Richtungen von sich streckt; eine stachelige Kugel mit einem dunklen Staub darinnen, das ist unser Stäubling.
Etwa 6 Zentimeter Durchmesser hat der Fruchtkörper, seine Kugel. Das ist etwa so viel, wie die Fernbedienung des Fernsehers breit ist. Seine Farbe ähnelt dem braunen Fell eines Fuchses, er ist also fuchsrotbraun. Im Inneren hat er zunächst ein weißes Fruchtfleisch, das dann braun wird und sich schließlich in einen dunkelbraunen Sporenstaub verwandelt. Wenn der Pilz nicht gerade zertreten wird, gibt er seine Sporen von selbst ab, indem er an seinem Scheitel eine Öffnung bildet.
Der Igelstäubling ist ziemlich selten, kommt aber bei uns, vor allem in Bayern, in Laubwäldern vor, wenn die Bäume auf kalkhaltigem Boden stehen. Sollten Sie auf die Suche gehen wollen, dann suchen sie vor allem die Umgegend von Buchen ab, da werden Sie noch am ehesten fündig. Angeblich ist er sogar essbar, aber nur, solange sein Fruchtfleisch noch weiß ist.
Junger Igel-Stäubling
Man nennt den Igelstäubling in Deutschland auch Igelbovist. Das ist allerdings keine Systembezeichnung. Der Name „Bovist“ bezeichnet vielmehr die Eigenschaft eines Pilzes, welche auch andere Pilze besitzen, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind. Die Bezeichnung bezieht sich auf die „Kugel“ und den Umstand, dass der Pilz in dieser Kugel seine Sporen bildet, die er zu seiner Fortpflanzung benötigt. Wenn Pilze vorzugsweise in trockenen Lebensräumen wachsen mussten, in denen ihre Sporen nicht gedeihen konnten, griffen sie zu diesem Überlebens-Trick, machten sich rund und trugen ihre „Sprößlinge“ erst einmal im Bauch mit sich herum. Ich habe noch nicht herausgefunden, ob diese Pilzen den Trick bei uns Menschen abgeguckt haben oder selbst so clever waren, ihn zu erfinden.
Erinnern wir uns an die Nuss und an die Zelle! Beide haben sie als „Konstruktionsprinzip“ einen Kern und eine Hülle darum herum. Auch der Bovist hat dieses Lebensprinzip für sich entdeckt und wendet es mit Erfolg an.